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Heilpraktiker für Physiotherapie – Alles zur Weiterbildung

Wie du Heilpraktiker für Physiotherapie werden kannst

Mithilfe einer Ausbildung bzw. Weiterbildung zum Heilpraktiker für Physiotherapeuten kannst du dir für deine Physiotherapie – Praxis ein zweites wirtschaftliches Standbein erarbeiten. Der Beruf ist heute gefragter denn je und lässt sich gut mit einem bereits bestehenden Arbeitsverhältnis als Physiotherapeut vereinbaren.

Seit dem Jahr 2009 ist es dir deutschlandweit gestattet, mit einer sogenannten beschränkten bzw. sektoralen Heilpraktikererlaubnis eigenständig Physiotherapie zu praktizieren. Du kannst demnach einen eindeutig abgrenzbaren Heilberuf ausüben, ohne dass eine vorherige Überweisung des Patienten an dich durch einen Arzt oder einen allgemeinen Heilpraktiker notwendig ist. Im folgenden Text werden dir alle wichtigen Meilensteine auf dem Weg zum sektoralen Heilpraktiker für Physiotherapie erläutert, sodass am Ende keine Fragen mehr offen bleiben.

Welche Vorteile kannst du einer sektoralen Heilpraktikererlaubnis abgewinnen?

Nachdem du die sektorale Erlaubnis erworben hast bist du dazu autorisiert, physiotherapeutische Heilbehandlungen selbständig, d.h. ohne ärztliche Verordnung auszuüben. Somit ist sichergestellt, dass eine Kostenerstattung durch private Krankenkassen auch ohne ein ärztliches Attest möglich wird. Statt als ärztliche, wird dein physiotherapeutisches Behandlungsangebot als heilpraktische Leistung im Rahmen des Gebührenverzeichnisses für Heilpraktiker abgerechnet.

Ferner versetzt dich die sektorale Heilpraktikererlaubnis für den Bereich Physiotherapie in die Lage, frei und entspannt zu arbeiten. Du musst dich nicht darum sorgen, dich in juristischen Grauzonen zu verlieren, sondern bewegst dich durchweg auf legalem Boden.

Wie kannst du die sektorale Erlaubnis zum Heilpraktiker für Physiotherapie erhalten?

Konträr zu den meisten Erwartungen ist die Erlaubniserteilung ohne langatmige und komplexe Prüfungen beim Gesundheitsamt erhältlich. In den meisten Bundesländern, u. a. in Brandenburg, in Berlin, in Niedersachsen, in Sachsen und in Nordrhein-Westfalen wird die Entscheidung in Abhängigkeit der Aktenlage getroffen. Eine schriftliche oder mündliche Prüfung kommt also gar nicht auf dich zu. Stattdessen musst du als praktizierender Physiotherapeut sogenannte Nachqualifikationen erbringen.

Diese kannst du bei verschiedenen Anbietern in einem relativ kurzen Zeitraum und zu fairen Gebühren erwerben. Die beliebtesten Anbieter sind Arche Medica, thalamus. Heilpraktikerschulen, die Fortbildungsakademie Plesch, die amara Bildungsakademie sowie die Paracelsus Heilpraktikerschulen.

Welche Möglichkeiten gibt es, um die Nachqualifikation zu erwerben?

Prinzipiell existieren zwei verschiedene Möglichkeiten, die Nachqualifikation für deine sektorale Erlaubnis zum Heilpraktiker für Physiotherapie zu erwerben: Einerseits kannst du dich für das Format eines Präsenzstudiums entscheiden, andererseits für einen Fernkurs plädieren.

Der Präsenzkurs gestattet es dir, die nötigen Nachweise in möglichst kurzer Zeit zu erbringen. Außerdem handelt es sich dabei in der Regel um Intensivkurse, sodass du dich über eine definierte Periode gezielt und eindringlich mit deinem Ausbildungsgegenstand beschäftigen kannst. Dies führt bei der Mehrheit aller Weiterzubildenden zu messbar höheren Lernerfolgen. Die Vollzeitausbildung bringt jedoch auch einige Nachteile mit sich: Beruf und Familie müssen hier zeitweilig zurückstehen, weil deine tägliche und mehrstündige Anwesenheit im Klassenzimmer gefordert wird. Das Ausbildungsformat eignet sich daher besonders für Personen, welche während einer vergleichsweise kurzen Phase einen Großteil ihrer Zeit auf die Ausbildung verwenden können.

Für all jene, deren Lebensumstände dies nicht erlauben, ist hingegen eine berufsbegleitende Ausbildung in Form eines Fernstudiums zu empfehlen. Diese bietet deutlich mehr Flexibilität und ist daher sehr gut mit deinen individuellen Lebensumständen vereinbar. Du musst auch nicht befürchten, hier auf die didaktischen Vorteile des Präsenzstudiums zu verzichten. Jedes Modul wird von mindestens einer hochqualifizierten Lehrperson sowie mehreren Online – Tutoren betreut, an die du jederzeit Fragen richten kannst. Zudem offerieren die meisten Ausbildungsinstitute eine Mischung aus Studienbriefen, welche eigenständig zu erarbeiten sind, und virtuellen Echtzeitvorlesungen. Hier kannst du in Foren live mit deinen Kommilitonen diskutieren. Deine Lernerfolge werden durch zu erbringende Heimarbeiten getestet, zu denen du stets ein umfängliches und produktives Feedback erhältst.

Welche Voraussetzungen musst du für die Nachqualifikation erfüllen?

Um die Nachqualifikation überhaupt antreten zu können, musst du mindestens 25 Jahre alt sein. Ferner musst du ein makelloses polizeiliches Führungszeugnis vorweisen, das zum Zeitpunkt der Bewerbung nicht älter als drei Monate sein darf. Ebenso ist ein ärztliches Attest über deine physische und psychische Eignung für den Beruf zu erbringen. Zu guter Letzt musst du bereits ein voll ausgebildeter Physiotherapeut sein, das heißt die Berufszeichnung entsprechend dem Masseur- und Physiotherapeutengesetz (MPhG) führen dürfen. Einige Bundesländer verlangen zusätzlich eine mehrjährige Berufserfahrung.

Wie lange dauert die Nachqualifikation und welche Kosten kommen auf dich zu?

Je nachdem, ob du dich für ein Fern- oder für ein Präsenzstudium entschieden hast, kann die Nachqualifikation zwischen vier Tage und fünf Monate dauern. Es ist gesetzlich festgelegt, dass jedwede Nachqualifikation aus 60 Unterrichtseinheiten bestehen muss, deren jede 45 Minuten dauert. Ob dieses Deputat nun auf mehre Wochenenden verteilt unterrichtet wird oder geballt an wenigen Tagen besprochen, variiert von Anbieter zu Anbieter. Die Kosten für einen solchen Kurs liegen in der Regel zwischen 550 Euro und 800 Euro.

Welche Inhalte werden dir während der Nachqualifikation zum Heilpraktiker für Physiotherapie vermittelt?

Im Prinzip existieren keine legislativ geregelten Weiter- und Ausbildungen für den Beruf des sektoralen Heilpraktikers für Physiotherapie. Allerdings gelten bundeslandspezifische klare Vorgaben über die inhaltlichen Kriterien für die Erlaubniserteilung, an denen sich die meisten Heilpraktikerschulen orientieren. Da du durch deine erfolgreiche Ausbildung zum Physiotherapeuten bereits über einen umfangreichen und wertvollen Wissensschatz verfügst, geht es in der Nachqualifizierung v.a. darum, deine Kompetenzen in den Bereichen der Berufskunde und der Gesetzeskunde zu erweitern. Auch die Themenfelder Diagnostik und Indikationsstellung werden diskutiert.

Fazit: Warum du dich zum sektoralen Heilpraktiker für Physiotherapie weiterbilden solltest

Die Tätigkeit des Heilpraktikers für Physiotherapie kann für dich zum zweiten wirtschaftlichen Standbein neben deiner Hauptbeschäftigung als Physiotherapeut werden. Da du dich inhaltlich nicht neu orientieren, sondern lediglich in einigen Bereichen weiterbilden musst, wird dir die Ausbildung keine große Mühe bereiten. Zudem ist sie sehr gut mit deinem Beruf und deiner Familie vereinbar, sodass du deinen Lebensrhythmus beibehalten kannst.